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Artikel Tagged ‘Killerspiele’

Ich könnte k****en, die 3te oder das Zensurgesetz und Killerspiele

Wer hat eigentlich ernsthaft gedacht, dass das Zensurgesetz bei Kinderpornographie halt macht? Richtig, niemand, und schon gar nicht die CDU in Baden-Württemberg.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl will über die Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet hinausgehen und hat auch die Sperrung von Killerspielen ins Gespräch gebracht. “Wir prüfen das ernsthaft”, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger in der Freitagausgabe:

Wir gehen nach Winnenden nicht zur Tagesordnung über. Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein rechtsfreier Raum sein.

Mir fehlen irgendwie die Worte, obwohl, eigentlich nicht, denn es sind wirklich einfach nur noch Spinner in der Politik unterwegs.

Jörg Tauss (SPD): Gamer sind keine Amokläufer

Wenn ich in diesem Blog dumme Politiker schelte, muss ich so fair sein und positive Beispiele auch veröffentlichen. Zu denen scheint Jörg Taus (SPD) zu gehören, der als Abgeordneter der SPD seit 1994 den Wahlkreis Karlsruhe- Land im Deutschen Bundestag vertritt und jetzt gegen die Beschlussfassung der Innenministerkonferenz in Konfrontation gegangen ist – mit einem Brief an die Innenminster.

Auszüge daraus möchte ich hier zitieren:

[...]Als eines der Ergebnisse aller seither durchgeführten Anhörungen und Expertengespräche lässt sich festhalten,dass sich eine solche Kausalität wissenschaftlich nicht nachweisen lässt und sie demnach, auch im Falle Winnenden, falsch und herbeigeredet ist.Dies findet auch in allen seriösen wissenschaftlichen Studien zu diesem Themenkomplex ausnahmslos Unterstützung. Selbst Prof. Pfeiffer vom kriminologischen Institut Niedersachsen, der eine abweichende Meinung vertritt,betont, dass von einer „blutigen Spur der durch den Konsum von Computerspielen ausgelösten Gewalt“ keine Rede sein kann. Ein über die bereits bestehenden
Normen hinausgehendes Verbot von so genannten Killerspielen erscheint daher unbegründet und nicht sinnvoll. [...] Vor diesem Hintergrund habe ich daher mit großem Erstaunen und mit noch größerer
Irritation die aktuellen Beschlussfassungen zu einem Verbot von “Killerspielen”, ein Begriff, den es nur in Deutschland gibt, der Presse entnommen. Mit Ihrer weiterhin aufrechterhaltenen Forderung ignorieren Sie nicht nur fundierte Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, sondern Sie blenden geradezu fahrlässig auch die
geltende Rechtslage aus und diskreditieren und kriminalisieren Jugendliche und einen höchst innovativen Wirtschaftszweig.

und weiter:

Wohl wissend, dass das Strafgesetzbuch im § 131 ein generelles Verbreitungs- und Herstellungsverbot von Medien unter den beschriebenen Prämissen vorsieht, wird jetzt wieder so getan, als ob es Handlungsbedarf gebe. Dies verschärft allenfalls Politikverdrossenheit, die auch entstehen kann, wenn der Staat so tut, in der
Vergangenheit nichts unternommen zu haben. [...]Der angesprochene § 131 StGB bildet die dritte Stufe eines der vorbildlichsten,weitreichendsten, konsequentesten und wirkungsvollsten Jugendmedienschutzgesetze weltweit. Das zu Grunde liegende Konzept der Dreistufigkeit hat sich bewährt.

und ebenfalls sehr richtig:

Dessen ungeachtet ist deutlich geworden, dass wir in Deutschland offensichtlich weniger ein Normsetzungsdefizit, als vielmehr ein von den Ländern zu verantwortendes Vollzugsdefizit haben. Dies zeigen uns leider Testkäufe, die belegen, dass der Kauf von nicht für die Altersstufe freigegebenen Medien an
Jugendliche in allen Bundesländern möglich ist. Hier müssen Kontrollen, für die Ihre Länder Verantwortung tragen, effektiver werden. Bevor daher nach Verboten und neuen gesetzlichen Regelungen gerufen wird, kann an dieser Stelle angesetzt werden. So müssen geltende Altersbeschränkungen durch geeignete Maßnahmen
des Handels noch wirksamer umgesetzt werden. Denkbar sind die räumliche Trennung von altersbeschränkten Angeboten, auch hier die Ermöglichung von Testkäufen und die Umrüstung der Kassensysteme. Wirtschaft und Industrie zeigen sich an dieser Stelle im Übrigen kooperativ, sodass es falscher Anschuldigungen
durch die Innenminister nicht bedarf.

und vor allem, wie ich ebenfalls immer predige:

Parallel zur notwendigen verstärkten und überdies effektiveren Kontrolle zeigt sich aber auch, dass zur Umsetzung eines wirksamen Kinder- und Jugendmedienschutzes die Förderung und Stärkung von Medienkompetenz schon in Kindergarten, Schule und im Bereich der Jugendarbeit stehen muss.
Medienerziehung und Medienverantwortung sind für einen modernen Kinder- und Jugendschutz von großer Bedeutung.

Den ganzen Brief gibt es auf der offiziellen Seite von Jörg Tauss.

Deutscher Kulturrat: Killerspieldiskussion stammt aus der Mottenkiste der Verbotsdebatten

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, warnt angesichts des jüngsten Vorschlags der Innenminister der Länder und des Bundesinnenminister, noch vor der Bundestagswahl ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von gewalthaltigen Computerspielen umzusetzen, vor einem wahltaktischem Schnellschuss.

Mit dem Vorschlag der Innenminister wurde erneut in der Mottenkiste der Verbotsdebatten gegriffen und geflissentlich verschwiegen, dass erst im vergangenen Jahr das Jugendschutzrecht novelliert wurde. Seit dem 1. Juli 2008 ist der Katalog der schwer jugendgefährdenden Trägermedien, die indiziert sind, im Hinblick auf Gewaltdarstellungen erweitert, die Indizierungskriterien wurden in Bezug auf mediale Gewaltdarstellungen erweitert und präzisiert, weiter wurde die Mindestgröße der Alterskennzeichen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle gesetzlich festgeschrieben.

Wenn jetzt ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot sogenannter Killerspiele gefordert wird, geht es weniger um Kinder- und Jugendschutz, denn Kindern und Jugendlichen dürfen solche Spiele schon jetzt gar nicht zugänglich gemacht werden. Er geht darum, Erwachsene vor solchen Spielen zu „schützen“. Damit wird elementar die Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit berührt.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Bei den jüngsten Vorschlägen der Innenministerkonferenz muss man den Eindruck gewinnen, dass es nicht um Jugendschutz, sondern schlicht nur um Wahlkampf geht. Oder soll ernsthaft in den letzten Sitzungstagen des Bundestages vor der Sommerpause und der Bundestagswahl, hopp la hopp ein neues Gesetz gezimmert werden. Der Jugendschutz und die Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit sind viel zu wichtig, um sie den wahlkämpfenden Innenministern von Bund und Ländern zu überlassen.“

Langsam bekomme ich einen *****reiz

Was soll man dazu noch sagen? Es langweilt irgendwie einfach nur noch, wenn Innenminister glauben, dass ihre Beschlüsse irgendeine Auswirkung haben oder also ob dies im Bundesrat beschließbar wäre.

Das ist fast noch langweiliger als Aktionismuspoltik in Wahlkampfzeiten.

Demokratie auf ihrem Tiefpunkt. Gute Nacht Deutschland!

Da weise ich doch glatt noch einmal auf diese Petition und diese Demonstration hin. Ab 18:00 geht die Demo übrigens los!

Ergebnis des Branchenhearing Software / Games-Industrie

Die Kultur- und Kreativwirtschaft bringt nicht nur bedeutende kulturelle und kreative Produkte und Dienstleistungen hervor. Sie ist auch volkswirtschaftlich von erheblicher Bedeutung. Rund 210.000 Unternehmen mit knapp einer Million Erwerbstätigen sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Die Quote der Selbständigen ist mit 25 Prozent außergewöhnlich hoch.

Der Beitrag zur Bruttowertschöpfung liegt bei rd. 60 Mrd. Euro. Damit wird deutlich, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihrem vielfältigen Spektrum an Teilbranchen von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung ist. Insbesondere der Einsatz neuer digitaler Techniken leistet einen wichtigen Beitrag zu Wachstum und Innovationen. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben die wirtschaftlichen Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft hatte ihr drittes Branchenhearing am 13. November 2008 in Berlin durchgeführt. Gemeinsam mit den Verbänden und maßgeblichen Branchenvertretern aus dem Bereich “Computerspiele” wurden kultur- und kreativwirtschaftliche Themenfelder in den Blick genommen und diskutiert. Schwerpunkte waren auch hier das Profil der Branche, ihre Leistungsfähigkeit und Fragen der Qualifikation und Weiterbildung. Die zur Kultur- und Kreativwirtschaft zählende Teilbranche “Computerspiele” gibt technologisch wertvolle Impulse für den audiovisuellen Sektor und es gilt auch hier, wirtschaftliche, künstlerische und kreative Aktivitäten für Wachstum und Beschäftigung zu nutzen. Dabei lässt sich durch spielerisches Erleben Wissen vermitteln – unter anderem für Aus- und Weiterbildung, Training und Simulation. Das stärkt auch den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland. Dem trägt auch der neu geschaffene Deutsche Computerspielepreis Rechnung.

Jetzt endlich kann ich auch das Ergebnis des Branchenhearings als PDF veröffentlichen. Für alle, die einen etwas tieferen Blick in die Branche haben wollen und erfahren wollen, dass die Regierung, trotz vereinzelter “Killerspieldiskussionen” das Potential dieser Branche erkannt hat, findet das PDF unter dem folgenden Link.

  • Zum PDF
  • World of Bullshit

    Ich bin ja sonst kein Leser der TAZ, aber Kudos an die Berliner Kollegen für deren Front gegen die aktuellen Verbotspläne von Computerspielen.

    Der Artikel World of Bullshit beschreibt recht gut, wie ich über die aktuellen Entwicklungen und gewisse Studien von gewissen Forschungsinstituten denke.

    Es sei denn, ein Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen kommt daher mit seiner Studie zu “World Of Warcraft”, für die er 44.610 Neuntklässler befragt und ermittelt haben will, dass 3 Prozent der Jungs “süchtig” sind, so richtig süchtig, als wärs Alkohol oder Kokain – und kein Spiel. Ein Spiel übrigens, das, wie jedes gute Spiel, zwar durchaus einen gewissen “Suchtfaktor” aufweist, ansonsten aber so “blutrünstig” ist wie Poker.

    Nuff said!

    Morgen: Diskussion um Killerspiele und den Amoklauf von Winnenden mit Prof. Christian Pfeiffer auf Phoenix

    16. März 2009 Marian Härtel 2 Kommentare

    Nach dem Amoklauf von Winnenden stehen Killerspiele wieder in der Kritik. Deutschlands größte Jugendstudie belegt jetzt: Neuntklässler verbringen täglich im Durchschnitt 140 Minuten mit Computerspielen. Dabei besonders beliebt: “Ego-Shooter” wie “Counter-Strike”. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer spricht sich für ein Verbot aus.

    Warum verliert die Gesellschaft Jugendliche an eine Phantasiewelt aus Blut und Gewalt? Wie sinnvoll ist ein Verbot? Nach Erfurt, Emsdetten und Winnenden – drohen nun auch in Deutschland amerikanische Verhältnisse?

    Anke Plättner diskutiert in der PHOENIX Runde mit Armin Laschet (NRW-Landesminister für Generationen, Familien, Frauen und Integration), Prof. Christian Pfeiffer (Kriminologe) und Michael Wallies (Medizinstudent, war süchtig nach Computerspielen). Ebenfalls mit dabei ist mein geschätzter Kollege, aus der Kanzlei Dr. Behrmann & Härtel, Dr. Malte Behrmann (GAME e.V. – Bundesverband der Entwickler von Computerspielen und General Secretary der European Game Developer Federation), der gegen Prof. Christian Pfeiffer “in den Ring treten wird”.

    Sendetermine der Diskussionrunde sind:

    • Di, 17.03.09, 22.15 Uhr
    • Mi, 18.03.09, 00.00 Uhr
    • Mi, 18.03.09, 09.15 Uhr

    Unbedingt anschauen. Für Anregungen, Argumente und Diskussionsgrundlagen sind wir immer offen!

    Update: Danke an Markus Beckedahl für einen Eintrag zu dem Thema.

    Universität Bielefeld: Gewaltspiele haben nur wenig Einfluss auf Jugendgewalt

    14. September 2008 Marian Härtel Keine Kommentare

    Ich persönlich kann bei dieser Diskussion immer nur auf meine eigenen Erfahrungsgrundsätze verweisen, was ich aus dem Bekanntenumfeld mitbekomme und was nach eigenen empirischen Schätzungen für mich logisch ist. Dass dies nicht wirklich wissenschaftlich ist, weiß ich aber selber.

    Die Soziologiewissenschaftler der Universität Bielefeld waren bei diesen Gesichtspunkten aber hoffentlich gründlicher. Jedenfalls dürfte das Ergebnis einer jetzt schon sechsjährigen Studie den Herren Gewaltspielekritiker aus Bayern gehörig die Suppe versalzen. Die Studie kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass Gewaltspiele nur wenig Einfluss auf Jugendgewalt haben.

    Einen direkten Zusammenhang zwischen Gewaltspielen und eigener Gewaltausübung konnten die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Jost Reinecke, Soziologe an der Universität Bielefeld, nach intensiven Befragungen nicht feststellen. Auch wenn er selbst den Inhalt so einiger Spieletitel durchaus Besorgnis erregend, und mir geht es da mitunter nicht anders, so sind Meinungs-, Handlungs-, und Berufsfreiheit nun einmal hoch geschützter Grundrechtsgüter in Deutschland, die auch nicht zwingend durch den Schutz der Rechtsgüter Dritter einzuschränken sind, da die allermeisten Spieler zwischen realer und virtueller Welt sicher unterscheiden können.

    Ich wähle keine Spielekiller?

    6. September 2008 Marian Härtel Keine Kommentare

    Der Wahlkampf in Bayern hat jetzt auch die Spielepresse erreicht, naja zumindest die PC Games. Die PC Games fordert darin alle Leser, naja, und wohl auch die Bayern selber, auf, diesen Brief auszudrucken, auszufüllen und zu unterschreiben, um diesen dann seinem eigenen politischen Vertreter in die Hände zu drücken. Als “Service” bietet die Zeitschrift gleich noch die Emails so einiger Vertreter.Persönlich finde ich es einen guten Ansatz, auch wenn der Erfolg wohl auf das eigene Marketing der Zeitschrift begrenzt bleiben wird.

    Bayern beharrt weiter auf Verbot von “Killerspielen”

    1. September 2008 Marian Härtel Keine Kommentare

    In einer Pressemeldung beharrt der bayrische Innenminister Joachim Herrmann weiter auf dem Verbot von Killerspielen.

    “Immer stärker drängen sogenannte Killerspiele auf den Markt, Computerspiele mit abstoßender Brutalität und Grausamkeit. Mit zunehmendem technischen Fortschritt bei der Computerhardware werden diese Spiele immer realistischer. Bayern hat bereits im Januar 2007 mit einer Bundesratsinitiative ein strafrechtliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot von virtuellen Killerspielen gefordert”

    so die Meldung.

    An einer Gesprächsrunde heute nahmen auch der berühmtberüchtigte Professor Dr. Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, und der Bundestagsabgeordneten Dr. Hans-Peter Uhl teil. Was aus dem erneuten Vorstoss wird, bleibt abzuwarten.